Geboren in Philadelphia am 31.3.1895, wurde der Rechtsanwalt and Bankier John Jay McCloy eine der einflussreichsten Figuren des amerikanischen öffentlichen Lebens und des Banking-Establishments an der Ostküste in der Zeit von 1930 bis 1970.
McCloy studierte Jura in Harvard. Seinen Karrierestart hatte er als Anwalt bei verschiedenen Kanzleien in New York.
Er war früh Protegé des Außen- und Kriegsministers Elihu Root (unter Präsident Wilson), der 1921 den Council on Foreign Relations gegründet hatte und McCloy an seinen Freund, den Kriegsminister Henry Stimson (unter Präsident F. D. Roosevelt) weiterreichte. Im Kriegsministerium wurde McCloy Assistant Secretary of War, hatte mit dem politischen Umfeld um Roosevelt und Truman Kontakt (u.a. MacArthur, Eisenhower, Stimson, Acheson und Monnet) und wurde 1945 als zweiter Direktor in die eben gegründete Weltbank berufen.
Bereits 1946 wurde er als ziviler Nachfolger General Clays zum High Commissioner for Germany berufen, ein Amt, das er fünf Jahre innehatte und das ihm den dauerhaften Respekt sowie 1985 die Ehrenstaatsangehörigkeit der Bundesrepublik Deutschland erworben hat.
Nach seiner Rückkehr wurde McCloy Vorstandsvorsitzender der Chase Manhattan Bank und war für die Familie Rockefeller tätig. Er war "Disarmament Adviser" für John F. Kennedy, wurde später als Vorsitzender in das Board der Ford Foundation und in den Council on Foreign Relations berufen, dessen Direktor er bis 1972 blieb. Der Republikaner McCloy diente allen US-Regierungen von Roosevelt bis Reagan in direkter Exekutiv-Position. Er erlebte die politische Geschichte seines Landes von Wilson im Ersten Weltkrieg bis zur Wahl George Bushs 1988.
John McCloy starb im Jahr 1989. Die frühen McCloy-Stipendiaten haben ihn noch persönlich kennengelernt.
Das Leben und Wirken von John McCloy war keineswegs unumstritten. Seine Rolle bei der Internierung der japanischstämmigen Amerikaner im Zweiten Weltkrieg, bei der nicht erfolgten Bombardierung der Eisenbahngleise ins Konzentrationslager Auschwitz und bei der Begnadigung von Kriegsverbrechern hat immer wieder zu Diskussionen geführt. Eine Folge waren auch Kontroversen bei der Benennung des McCloy-Programms, als es 1983 eingeführt wurde.
Literatur
- Wikipedia-Eintrag zu John McCloy
- Sebastian Lorenz und Marcel Machill (Hrsg.): Transatlantik. Transfer von Politik, Wirtschaft und Kultur. Mit Beiträgen von Helmut Schmidt, Kurt Biedenkopf, Werner Weidenfeld, Joseph Nye u.a. Opladen: Westdeutscher Verlag 1998.
- Thomas Alan Schwartz: America`s Germany.J John J. McCloy and the Federal Republic of Germany. Harvard University Press. Cambridge, Mass. 1991.
- Alan Brinkley: Minister without portfolio. The most influential private citizen in America. Harper`s. February 1983. 31-46.
- Kai Bird: The Chairman. John J. McCloy. The Making of the American Establishment. Simon & Schuster. NYC, NY 1992. pp. 471ff. Bilderberg
- Walter Isaacson, Evan Thomas: The Wise Men: Six Friends and the World They Made. Simon & Schuster, NYC, NY. 1986.